Spielin Lyrik

Der Schlachterin Lyrik

«22/26» Lyrik

Die Texte dieses Zyklus entstanden sehr intuitiv und über einen längeren Zeitraum … dennoch scheint es zwischen ihnen eine Verbindung zu geben.

Kapitel: 1 | 2 | 3 | 4 | 5

Halb-Doppelleben

I. Kultur

Leise keuchen Buchgestalten, schlagen Scherben ihrer Pein. Dröhnend nähert sich ein Hügel, fällt lautlos in das Klagen ein.

Niemals war es hier so helle, Glanz wird Staub und Staub wird Stein. Flure liegen in den Wehen, der Vater mag ein niemand sein.

Wolkenkeller springen schleppend, der Traum verschmiert im Kerzenschein. Alles Schaffen strebt zur Eile, holt schnaufend nur das Sterben ein.

Schließlich schwankt die Wand vor Schritten, sie fressen sich in ihr Gebein. Verdauen nichts als kalte Schalen, und endlich kehrt ein Wispern ein.

II. Gier

Wissen verschwimmt … Glaube verändert … Gefühl verliert … … Kultur verblasst !

Müll gedeiht … Seuche blüht … Elend wächst … … Dasein verblasst !

Luft erblindet … Wasser erstickt … Erde verbrennt … … Natur verblasst !

Menschen leiden … Tiere sterben … Pflanzen vergehen … … Leben verblasst !

Werte entleeren. Glück verwelkt. Wunder verkümmern.

… Kultur erlischt ! … Dasein erlischt ! … Natur erlischt ! … Leben erlischt !

III. Wahn

Papier wird Staub und Staub wird Stein, Stein wird Blut und Blut wird Bein.

Berge haben sich zu Mauern gewandelt, Irrwitz und Irrgarten werden eins. Kein Labyrinth, doch ein Schlachtfeld, wurden die Gefallenen auch tot geboren.

Ewiger Schlaf durchtränkt die Säle, träumten sie von Anbeginn? Welch Ironie, welch Ebenbild, und dennoch glaubt man nicht daran.

Aber dann, wie Donnergrollen, ein Wispern bricht das Schweigen auf. Nur ein Flüstern, Rascheln, Knistern … Soll Leben im Gebirge sein?

Dann auch das Feuer, unersättlich, lässt die steilen Hänge glühen, tanzt mit dem Fleisch, von dem es ragt, nur um ins Fleisch zurückzukehren.

Trocken ist einst weiche Masse, fremder Leiber Frucht verwelkt, und doch, sie rührt sich ohne knarren, gleitet fast durchs faule Holz.

Wissen, meint er, hier zu haben, Wissen, meint er, bedeutet Macht. Irrt er auch, hat er doch recht und ist so Narr und Prinz zugleich.

Also lenkt er voll Behagen seine kleine Lügenwelt. Nicht nur vermag er sie beherrschen, nein, auch zu wahren weiß er sie.

Er ist selbst sein Untertan und erkennt nicht den Betrug. Letztlich ist doch seine Scheinwelt die höchste Wahrheit unter ihm.

IV. Wahrheit

Ich schreite durch einen Raum von unbestimmter Färbung. Mir ist, als bärgen die Wände Türen, tatsächlich sind sie Fenster.

Ein Gefühl, als klopfte es an einer dieser … Einbahn-Türen. Ein Gefühl, als wartete man auf erneutes Klingeln eines grad’ erstorbenen Telefons.

Ich stehe einsam in einem Raum von unbestimmter Größe. Mir scheint, als umgäben mich fremde Gedanken, doch sind es nur Erinnerungen.

Dinge geschehen, ohne statt zu finden, ich nehme sie nicht wahr. Dinge geschehen, ohne zu passieren, ich vergesse sie noch bevor sie mich berühren.

Ich öffne die feuchten Augen, spüre die Realität. Ich öffne den prickelnden Verstand, bereit, für einen neuen Traum.

V. Verständnis

Schmerzerfüllt beschreiten sie ihren Anfang, vom Guten der Welt vergiftet. Stets wollen nur andere in ihnen sein, das Wichtigste sollen sie vergessen. Doch wenn auch ihr Geist sich windet, ihre Seele schreit danach. Sie verleugnen ihr Ziel und hassen sich für ihre Liebe.

Manche mag das Gift versäumt haben, ihresgleichen aber verzeihen ihnen nicht. Sie halten einander für schlecht und wissen nicht um ihren Neid. „Nur nicht fühlen! Denken!“, so fühlen sie und denken nicht. „Schreiben, wissen, nicht bloß hoffen!“, fühlen sie und vergessen.

Schließlich holt das Innere das Äußere ein, glücklich, dessen Hülle daran zerbricht. Aber viele sind zu hart geworden und ihr Wunden fressen sich tiefer. Der Geist ist zu eng für die Seele, Wünsche werden bald Erinnerung. Sie zerstören sich selbst, doch wer begann?

Erst am Ende können sie den Anfang begreifen. Zu spät … ?

Wahrheit ist nur ein Traum von Ordnung.

Kommentare

Zu diesem Text wurden noch keine Kommentare verfasst.

Kommentar verfassen

Mit * gekennzeichnete Felder müssen ausgefüllt werden. Optionale Felder werden zusätzlich mit kursiver Beschriftung dargestellt.

Absender
Nachricht

Hinweise zur Formatierung

Sie können Ihren Eintrag wie folgt formatieren:

*Text* wird zu Text, also fett dargestellt. _Text_ wird zu Text, also kursiv dargestellt.
Möchten Sie * oder _ im Text verwenden, so müssen Sie es zweimal eintippen. Schreiben Sie also statt dessen ** bzw. __.

URLs (Webadressen) werden automatisch in Links umgewandelt, so wird http://metawort.de zu http://metawort.de.


Urheberrecht:Diese Website und ihre Inhalte unterliegen den Urheberrechtsgesetzen der Bundesrepublik Deutschland. Die Website als Ganzes sowie deren Inhalte (Bilder und Text) dürfen frei vervielfältigt und gespeichert werden, jedoch ausschließlich in inhaltlich unveränderter Form. Skalierung der Bilder und Formatierung der Texte sind also erlaubt. Die gewerbliche bzw. kommerzielle Nutzung dieser Website sowie derer Inhalte, auch wenn diese zuvor verändert wurden, ist untersagt.

Disclaimer:Dieses Angebot enthält Links zu externen Webseiten Dritter, auf deren Inhalte ich keinen Einfluss habe. Deshalb kann ich für diese fremden Inhalte auch keine Gewähr übernehmen. Für die Inhalte der verlinkten Seiten ist stets der jeweilige Anbieter oder Betreiber der Seiten verantwortlich. Die verlinkten Seiten wurden zum Zeitpunkt der Verlinkung auf mögliche Rechtsverstöße überprüft. Rechtswidrige Inhalte waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar. Eine permanente inhaltliche Kontrolle der verlinkten Seiten ist jedoch ohne konkrete Anhaltspunkte einer Rechtsverletzung nicht zumutbar. Bei bekannt werden von Rechtsverletzungen werde ich derartige Links umgehend entfernen.

Quelle:Disclaimer von e-recht24.de, Rechtsanwalt Sören Siebert

lablue Partnersuche

Valid HTML 4.01 Strict