Kulturin Lyrik

Wie immerin Prosa

«12/14» Prosa

Der Titel sagt eigentlich alles.

Segen der Zivilisation

In einem unbeobachteten Moment prüft der Mann in Nadelstreifen den Lack seines Wagens. Sein Handy steckt noch in der Warteschleife der Versicherung. Er wirft dem bewusstlosen Mädchen vor seinem Wagen einen bösen Blick zu und hofft, dass er besorgt aussähe.

Tatsächlich hat einer aus der angestauten, lautstarken Menge den Rettungsdienst verständig. Als dieser endlich eintrifft, wird es dem älteren Herrn im zweiten Stock zu bunt. Er dreht den Fernseher lauter und hat damit Grund, sich noch ärger über die die mindere Qualität der kostenlosen Unterhaltung zu ereifern. So muss er auch nicht mit anhören, wie unter ihm seine Nachbarin verprügelt wird. – Anlass zum Streit bietet der Alkohol, welcher zu knapp im Heim und zu üppig im Blut ihres Mannes vorrätig ist.

Derweil verschwindet die Tochter, respektive Stieftochter, besagter Nachbarn aus der Wohnung. Ihr Ziel ist der gesetz- und bargeldlose Erwerb von Kleidungsstücken. Der hauseigene Wachmann der Boutique drückt in diesem Fall das geistige Auge zu. Das liegt allerdings überwiegend an den Betäubungsmitteln in seinem Gehirn, die er nach Feierabend zwecks Nebenerwerbs vertreibt.

Während sich die Kleidungsstücke wenig später zu der vorhandenen Sammlung gesellen, um dort ihrem erst- und einmaligem Gebrauch zu harren, wird der Arbeitsplatz des Wachmannes gestrichen. Denn es wurde, vom Betroffenen unbemerkt, soeben entdeckt, dass seine Anstellung bisher keine Gewinnoptimierung zur Folge hatte.

Glück im Unglück anderer hat da der findige Buchhalter. Er muss nicht fürchten, seinerseits aus dem Kundenkreis des Wachmannes, respektive Einzelhändlers, ausgeschlossen zu werden. Schließlich wälzt sich seine Verantwortung selbsttätig noch oben ab.

Und somit auf den Herrn in Nadelstreifen, dessen Anwalt gerade innerlich aufjauchzt. Jener Anwalt wird allerdings nicht verhindern können, dass sein Klient sich schon wenige Tage später nicht mehr so viele Gedanken über die Kratzer in seinem Wagen machen wird. Mehr hingegen um die Klinge in seinem Bauch. Dem (ehemaligen) Wachmann sei Dank.

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Quelle:Disclaimer von e-recht24.de, Rechtsanwalt Sören Siebert

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