Akademiker? oder “Stellen Sie sich bitte zu den anderen.”in Lyrik

Warum sollte man so etwas schreiben?in Prosa

«6/14» Prosa

Mein erstes vollständiges Drama.

Unvollendet

Ein Drama in einem Akt

Personen:

(Mutmaßlicher) Schaffner Fahrgast Weitere Gäste Ältere Dame Ein Funkgerät Zweiter Schaffner Anwalt Frau Arzt

Erster Akt – Erste Szene: „Die Fahrscheinkontrolle“

Inneres eines fahrenden Zuges, halboffen und schräg zum Publikum. Exquisit, annähernd barock eingerichtetes Abteil, 1. Klasse. Nur wenige Fahrgäste.

Schaffner tritt auf.

Der Schaffner betritt das Abteil durch die dem Publikum abgewandte Tür.

Schaffnerruft Die Fahrscheine, bitte!

Die Fahrgäste kramen ihre Fahrscheine hervor. Nur der letzte Gast im Abteil scheint den Aufruf nicht gehört zu haben. Der Schaffnerkontrolliert die Fahrgäste und kommt schließlich zum letzten Gast auf der letzten, dem Publikum zugewandten Bank.

Schaffner Ihren Fahrschein, bitte.

Fahrgastwie erwachend Wie bitte?

Schaffner Ihren Fahrschein, bitte.

Fahrgast Wie? Was soll ich meinem Fahrschein bitte antun?

Schaffner Sie sollen ihn mir bitte geben!

Fahrgast Nun erlauben Sie einmal, wie käme ich denn dazu? Haben Sie denn keinen eigenen?

Schaffner Nein, äh … ähem. Ich meine, würde Sie mir jetzt bitte Ihren Fahrschein geben?!

Fahrgast Sie selbst haben also keinen? Und nun wollen Sie auch noch meinen haben? Ich denke, ich werde Sie dem Schaffner melden müssen!

Schaffner Hören Sie: Ich bin der Schaffner!

Fahrgast Na, eine bessere Ausrede fällt Ihnen wohl nicht ein?

Mutmaßlicher Schaffner Sehen Sie denn nicht meine Uniform?! Geben Sie mir jetzt Ihren Fahrschein, damit ich ihn kontrollieren kann!

Fahrgast Soso, Sie wollen ihn also nicht nur haben, sondern sich auch noch zuvor von seiner Qualität überzeugen! Meinen Sie etwa mein Fahrschein sei für Sie nicht gut genug?!

Mutmaßlicher Schaffnergedehnt Neeein, ich will nur überprüfen, ob sie einen gültigen Fahrschein besitzen.

Fahrgast Ja, denken Sie denn, das sei mir nicht klar gewesen? Was sollten Sie auch mit meinem Schein anfangen, wenn er denn ungültig wäre??

Mutmaßlicher Schaffnerzwischen zusammengebissenen Zähnen Bitte, fragen Sie doch die anderen Passagiere, ob ich der Schaffner bin …

Fahrgast Das sollte ich wohl tatsächlich erwägen, wenn Sie es nicht gerade selbst gewesen wären, der mir dazu riet! Merken Sie denn nicht, dass Sie sich nur immer verdächtiger machen?

Mutmaßlicher Schaffnerlaut Verdächtig?! Der einzige, der sich hier verdächtig macht sind, doch wohl Sie! zu den übrigen Gästen im Abteil Haben Sie das gehört, Herrschaften? Dieser Mann hier beschuldigt mich des Betrugs! Und Sie selbst bezichtigt er der Mittäterschaft!

Fahrgastruhig Entschuldigen Sie, aber dass habe ich nie gesagt.

MutmaßlicherSchaffner Aber natürlich haben Sie das! Oder wollen Sie ihnen etwa vorwerfen, sie seien zu dämlich, um mich als Schaffner zu erkennen?

Ältere Dame Bitte vermeiden Sie doch diesen abwerten Tonfall, wenn Sie das Wort „dämlich“ gebrauchen!

Mutmaßlicher Schaffnerzu der Dame Halten Sie sich da raus!

Ältere Dame Nun hören Sie mal!

Mutmaßlicher Schaffnerhinzufügend Bitte. wieder zu den übrigen Gästen Also, meine Herrschaften, wen erachten Sie nun als den Betrüger? Mich, als Person ihres Vertrauens, oder diesen Kerl hier, der Sie und mich gleichermaßen beleidigt hat?

Fahrgast Bitte entschuldigen Sie nochmals, aber ich hatte nie die Absicht, irgendjemanden zu kränken. Ich zweifle lediglich ihre lauteren Motive an.

Mutmaßlicher Schaffnerdem Fahrgast ins Gesicht Meine lauteren Motive?! Sind Sie den völlig meschugge?! Ich …

Fahrgastihn unterbrechend, etwas lauter Vorsicht! Nun sind Sie es, der in einen vulgären Ton verfällt!

Mutmaßlicher Schaffner Nun steht’s mir aber bis hier! Er deutet mit flacher Hand an seinen Hals Dann rufe ich jetzt eben meinen Kollegen! Dann werden wir’s ja sehen! Er holt ein Funkgerät hervor

Fahrgast Wie? Was werden wir sehen? Ach übrigens, ich muss Sie darauf hinweisen, dass…

Funkgerät Krrk!

Mutmaßlicher Schaffnerin sein Funkgerät Hallo? Habe hier einen Schwarzfahrer, erbitte Verstärkung!

Funkgerät Schhh … Verstärkung?

Mutmaßlicher Schaffner Ja, ich … Ach, komm einfach her!

Funkgerät Aber, was … Krrk!

Der mutmaßliche Schaffner schaltet das Funkgerät aus.

Mutmaßlicher Schaffner So! Und Sie bleiben schön hier!

Fahrgast Aber natürlich, wohin sollte …

Mutmaßlicher Schaffnerihn grob unterbrechend Ruhe!

Erster Akt – Zweite Szene: „Verstärkung“

Bühnenbild wie erste Szene. Der Fahrgast und die übrigen Gäste warten. Der mutmaßliche Schaffner lässt den Fahrgast nicht aus den Augen und wartet ungeduldig.

Zweiter Schaffner tritt auf.

Der zweite Schaffner betritt das Abteil ebenso wie der erste. Er sieht den mutmaßlichen Schaffner und bleibt stehen.

Schaffner Ferdinand Fünftradt!

Der Fahrgast steht abrupt auf, stellt sich in den Gang und sieht den Schaffner erwatungsvoll an.

Schaffner Oh, bitte setzen Sie sich wieder. Ich meinte nicht Sie.

Fahrgast Aber das weiß ich doch. Ich will nur das Schauspiel nicht versäumen.

Schaffner Wie belieben.

Mutmaßlicher Schaffner Kein Grund zur Höflichkeit, Herbert. Du sprichst gerade mit unserem blinden Passagier.

Fahrgast Oh, das haben Sie missverstanden, ich bin keineswegs…

Mutmaßlicher Schaffnerunwirsch zum Fahrgast Seien Sie bloß ruhig!

Schaffnerzum mutmaßlichen Schaffner Ferdinand! Wie redest du bitte mit den Fahrgästen? zum Fahrgast Bitte entschuldigen Sie ihn.

Mutmaßlicher Schaffner Na, hör mal! Immerhin…

Schaffner Sei still! wieder zum Fahrgast Gut, nun erzählen Sie mir doch bitte in aller gebotenen Ruhe, was hier passiert ist.

Fahrgast In Ordnung. Soweit ich es sehe, besteht das einzige Problem darin, dass dieser Herr hier er deutet auf den mutmaßlichen Schaffner durch eigenes Verschulden Zweifel an seiner Autorität aufwarf…

Mutmaßlicher Schaffnerihn unterbrechend Was soll…

Schaffnerohne ihn anzusehen Bist du wohl endlich ruhig?! Bitte, fahren Sie fort.

Fahrgast Danke, aber ich war gerade fertig.

Mutmaßlicher Schaffner Da siehst du’s! Das ist doch keine Erklärung!

Schaffner Hatte ich dich nicht gebeten, den Mund zu halten?! Du bist doch kein Schaffner…

Mutmaßlicher Schaffnerunterbrechend Wie?! Du jetzt auch? Das wird ja immer besser!

Schaffner Lässt du mich jetzt bitte ausreden?! Du bist doch kein Schaffner, wenn du mit so einer Kleinigkeit nicht zu Rande kommst! zum Fahrgast Also, was genau ließ Sie nun an der Identität meines Kollegen hier zweifeln?

Fahrgast Nun, das lässt sich schwer sagen … Es war mehr so ein Gefühl … Er hat mich einfach nicht überzeugt.

Schaffnernickt Ja, das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Der Mutmaßliche Schaffner steht mit offenem Mund da.

Schaffner Bitte nehmen Sie dies, als Entschuldigung und Zeichen meiner tief empfunden Scham für meinen Kollegen. Er überreicht dem Fahrgast ein Bündel Bananen Und du, lieber Kollege, was hast du zu deiner Verteidigung vorzubringen?

Anwalt tritt auf.

Anwalt Sehr geehrter Herr Staatsanwalt, hohes Gericht, verehrte Geschworene. Mein Mandant, Ferdinand Fünftradt, hat stets unter seinem peinlichen Namen gelitten. Während seiner gesamten Kindheit, und darüber hinaus, musste er Schmach und Ablehnung erdulden. Sein Name, dessen Klang unweigerlich an Nutzlosigkeit denken lässt, hinderte ihn seit jeher daran, in einem gesicherten und liebevollen Umfeld zu leben. Gleich, welche Bemühungen er auch aufbot, er erntete allseits nur unverdienten Spott und Hohn. Niemand traute ihm große Leistungen zu und selbst einfachste Arbeiten enthielt man ihm vor. So ist es nicht verwunderlicht, wenn dieser gepeinigte Mann mit den Jahren all seinen Stolz, seine Würde und seinen Glauben an sich selbst verlor. Und so fordere ich von jenen, die über ihn richten wollen: Höchstens zwei Jahre auf Bewährung!

Anwalt ab.

Schaffner Das sind doch keine Argumente! Wenn du unfähig bist, deine Arbeit ordentlich zu verrichten, dann bist du halt nicht mehr tragbar. Ganz egal, was nun deine persönlichen Probleme sind! Er gibt dem mutmaßlichen Schaffner eine Primel im Blumentopf Hier, nimm das und geh nach Hause.

Ältere Dameleise zum mutmaßlichen Schaffner Nehmen Sie’s ihm nicht übel, er weiß sich eben nicht anders auszudrücken. Zum Schaffner Es tut mir leid, aber ich kann ihr Geschenk nicht gutheißen. Es ist frauenverachtend!

Mutmaßlicher Schaffner ab.

Fahrgast Aber nein, Teuerste. Es handelt sich schließlich nicht um eine Nelke.

Ältere Dame Wie kommen Sie dazu, mich „Teuerste“ zu schimpfen? Denken Sie etwa, ich sei käuflich?

Fahrgast Ja, wäre es Ihnen denn lieber, „Billigste“ genannt zu werden?

Ältere Dame Selbstverständlich! Das wäre nur recht und billig, wie man sagt.

Fahrgast Allerdings. Dann möge es so sein, Billigste. Zum Schaffner Vielen Dank für Ihre Mühe, wir werden Ihre Dienste wohl vorerst nicht benötigen.

Schaffner Sehr wohl. Guten Tag.

Schaffner ab. Frau tritt auf.

Erster Akt – Dritte Szene: „Der Quirl“

Kurz bevor der Schaffner die Tür erreicht, kommt eine Frau mit Schürze durch die Tür. Der Schaffner hält vor der Tür, macht der Frau höflich Platz und verlässt das Abteil, nachdem die Frau es betreten hat.

Die Frau deutet mit dem Quirl auf den Fahrgast.

Frau Sehen Sie, Herr Doktor: Er sitzt wieder nur da und glotzt.

Arzt tritt auf. Schaffner, ältere Dame und Gäste ab.

Das Bühnenbild fällt in sich zusammen. Auf einem Stuhl sitzt der Fahrgast uns stiert ins Leere. Der Schaffner, die ältere Dame und die übrigen Gäste verschwinden, ohne dass jemand Notiz davon nimmt.

Arztohne den Blick vom Fahrgast zu lösen Er ist also immer noch gefangen, wie? Hat er Sie inzwischen wahrgenommen?

Frau Nein, alles ist unverändert.

Arzt Aber er isst genug?

Frau Ja. Natürlich immer dasselbe und nur, wenn ich es rechtzeitig bringe. Aber er isst.

Arzt Was meinen Sie mit „rechtzeitig“?

Frau Nun, er kann natürlich immer nur dann essen, wenn er gerade im Speisewagen sitzt.

Arzt Ah ja. Und die Medikation?

Frau Im Essen.

Fahrgast Schatz, mit wem redest du da? Telefonier bitte nicht so lange.

Arztohne Notiz von ihm zu nehmen Sehr schön. Also wie gehabt: Wenn sich etwas verändert, rufen Sie mich, ansonsten sehe ich sie in einem Monat wieder.

Fahrgast Ach Schatz, gut das du mich dran erinnerst. Bring mir doch etwas zu essen. Wo du gerade stehst.

Frauohne Notiz von ihm zu nehmen In Ordnung. Dann auf Wiedersehen.

Arzt Wiedersehen.

Arzt ab.

Frausieht auf die Uhr Ah, Zeit für den Speisewagen.

Frau ab.

ENDE

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