Segen der Zivilisationin Lyrik

Interpretationin Prosa

«13/14» Prosa

Eigentlich nur ein Experiment, den Surrealismus zu ergründen. Spiegelt natürlich nur dessen satirische Seite wider.

Wie immer

Der Bus kam natürlich zu spät. Das versuchte er auszugleichen, indem er rückwärts in die Haltebucht einbog. „Raffiniert …“, hauchte unser männlicher Protagonist, der lieber anonym bleiben möchte. Als sich die Vordertür des Busses zischend öffnete, floss ihm der Busfahrer bereits entgegen. Unser Protagonist patschte ihm in die Schulter, welche dadurch mächtig in Wallung geriet. „Neu, was? Das wird schon werden, junger Mann. Man gewöhnt sich an alles; auch an Wurmlöcher.“ „Ich bin eine Frau!“, blubberte der Busfahrer. „Auch das gibt sich mit der Zeit.“ Da er, unser Protagonist, nur harte Währungen mit sich führte, verzichtete er auf ein Ticket und suchte sich einen Sitzplatz.

Nachdem sie schon eine Weile gefahren waren, kam er nicht mehr umhin, seinen Sitznachbarn auf dessen Nachlässigkeit hinzuweisen. „Entschuldigen Sie bitte.“ „Hm, ja?“ „Es tut mir leid, aber ihr Ohr wächst unaufhörlich.“ „Mm, wie meinen?“ „Ihr Ohr! Es drückt mich bald von meinem Sitz!“ „Oh, ja, äh… Aber, sagen Sie mal! Was machen Sie hier überhaupt? Ich hatte diesen Platz extra für mein Ohr freigehalten. Ich muss Sie bitten, sich einen anderen Platz zu suchen.“ Und so geschah es.

Der Bus hielt. Von seinem neuen Platz aus beobachtete er den Einstiegsbereich. Da tippte ihm von hinten eine ältere Dame auf den Kopf. Er drehte sich um. „Ja bitte?“ „Sagen Sie mal, junger Mann, wo ist denn das Kind neben Ihnen geblieben? Gerade hat es doch noch dort gesessen.“ Er sah sich um. „Ah, ja. Machen sie sich keine Sorgen. Es ist nur durch den Sitzbezug in die Polsterung gefallen. Seine Mutter ist ja bei ihm.“ „Dann bin ich beruhigt. Danke, dass sie nachgesehen haben.“ Er nickte und wandte sich wieder dem Eingang zu. Gerade erschienen zwei Schienbeine vor der Vordertür. „Verzeihung“, hörte er schwach den Busfahrer gurgeln, „aber Sie sind leider zu groß für diesen Bus. Bitte warten Sie auf die Bahn. Die nächste fährt – lassen Sie mich nachsehen …“ „Bitte keine Umstände“, unterbrachen ihn die Schienbeine, „Wir reisen ohne Gepäck.“ „Na, wenn das so ist. Dann nur hereinspaziert.“

An der Bank unserer Hauptperson machten die Unterschenkel Halt. „Ich sehe, der Platz neben ihnen ist frei“, fragte ihn der eine, „Dürfte ich wohl Platz nehmen?“ „Selbstverständlich.“ „Aber Tiffy!“, warf Samson, der andere Unterschenkel, ein. „Wir wollten doch zusammen sitzen!“ „Oh, du hast Recht. Ich nehme den Platz trotzdem.“ So nahm er ihn und suchte sich mit Samson weiter hinten im Bus eine Sitzgelegenheit.

Unser Protagonist wollte aber nicht allein sitzen. Also begab auch er sich nach hinten. „Kommen Sie doch in meine Bank!“, bot ihm nach einer Weile ein hagerer, graumelierter Herr an. „Danke, aber ich zahle noch den letzten Kredit ab.“ Nach einigen weiteren Weilen erreichte er den Wellness-Bereich des Busses. Mehrere fönfrisierten Damen, die seine Zehen massierten und lackierten, erschwerten ihm das Vorankommen. Schließlich erreichte er die Heilbäder. Die Empfangsdame trug ihre Kopfhaut als Dutt am Hinterkopf und signalisierte auf diese Weise Bereitschaft zur Empfängnis. „Welchen Wunsch dürfen wir Ihnen erfüllen?“, tönte es aus dem Lautsprecher in Richtung unseres Protagonisten – der Anti-Aging-Prozess der Empfangsdame war so weit fortgeschritten, dass sie das Sprechen wieder verlernt hatte. „Einen Rooibusch-Tee, bitte.“ „Männlich oder weiblich?“ „Äh, wie bitte?“ „Der Badegast. Männlich oder weiblich?“ „Oh, natürlich. Weiblich, bitte.“ „Dünn, schlank, pummelig, fett?“ „Schlank.“ „Alter?“ „Hm, haben sie einen 89er Jahrgang?“ „Natürlich. Soll es der sein?“ „Ja.“ „Gut, vielen Dank für Ihre Bestellung.“ „Da nicht für“, entgegnete unser Protagonist noch, bevor er unverrichteter Dinge weiter zog.

Nach einer Weile wurde es dem Badegast zu viel. „Nun hören Sie schon auf zu ziehen!“, ermahnte sie unseren Protagonisten. „Ich habe ja kaum mehr genug Wasser, um meine Schultern zu bedecken!“ „Oh, ich war ganz in Gedanken…“ „Und denken Sie jetzt ja nicht, das hätte etwas mit meinen Haaren zu tun! Ihre Haltestelle kommt in Sicht.“ „Tatsächlich?“ Tatsächlich. Die Haltestelle, an der er zu Beginn des Tages eingestiegen war, entfernte sich immer weiter davon, entfernt zu sein.

So stieg unser Protagonist bald darauf aus und setzte sich ohne Umschweife zu seiner Frau auf die Couch. „Wie war die Arbeit, Schatz?“, fragte sie. „Wie immer“, antwortete seine Frau und schaltete unseren Protagonisten aus, bevor sie zu Bett ging.

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Quelle:Disclaimer von e-recht24.de, Rechtsanwalt Sören Siebert

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